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Tour 5: Literarisch-musikalische Streifzüge
Wer nach Dithmarschen kommt, egal aus welcher Himmelsrichtung, passiert in der Regel eine Brücke. Brücken haben für Menschen im Kreis Dithmarschen eine lebenswichtige Bedeutung, was auch im Logo des Kreises Dithmarschen mit dem Sympathiebogen gut zum Ausdruck kommt.
Die Gedichte der Schriftstellerin Sarah Kirsch sind auch kleine Brückenschläge, sie ermöglichen es ihren zahlreichen Leserinnen und Lesern in aller Welt, literarisch einen Fuß in den Kreis Dithmarschen zu setzen, wie sie selbst vor Jahr und Tag im Schulhaus von Tielenhemme am Eiderdeich Fuß gefasst und Heimat gefunden hat.
Hebbel-Museum, Wesselburen

Die Alte Kirchspielsvogtei in Wesselburen stammt noch aus dem 18. Jahrhundert. Sie stand schon über 90 Jahre, als der spätere Dramatiker Christian Friedrich Hebbel, genannt Christian, 1828, im Jahr vor seiner Konfirmation, aus der kleinen Wohnung der Mutter auf dem Klingberge als Schreiber ins Haus des Kirchspielvogts Mohr wechselte.
Im Jahr zuvor war Hebbels Vater, der Maurer Claus Friedrich Hebbel, gestorben. Nun muss der Sohn nicht mehr als Zupfleger die Mulde mit Lehm oder Steinen schleppen und konnte sich nach seinem Vorbild Schiller beim Vornamen rufen lassen.
Neun Jahre lebte und lernte Hebbel in der Alten Kirchspielsvogtei. Hier führte er das Protokollbuch und - so sein Biograf Groth - auch kleine polizeiliche Verrichtungen wie das Prüfen von Reisepässen durch. Er genoß das Vertrauen seines Prinzipals, hatte umfassende Akteneinsicht und verbrachte allenfalls zwei Stunden täglich am Schreibtisch.
Zu seiner Zeit war das heutige Dichtermuseum in Wesselburen (heute: Österstraße 6) der Mittelpunkt der Verhandlungen aller Geheimnisse des Ortes, so Groth. Aus dem realen Dithmarscher Alltagsleben stammte der Stoff, den er später zu Dramen wie etwa Maria Magdalena verarbeitete.
Groth weiter: Das Talent eines der bedeutendsten deutschen Dramatiker, Friedrich Hebbel, wurde schon früh entdeckt und gefördert. Neben seiner Arbeit als Kirchspielsschreiber war er - so der Heider Groth - ein gefragter Versifax. Er griff für seine Freunde mal eben zur Feder, um eine Ansprache für das traditionelle Dithmarscher Ringreiten zu formulieren.
Für Friedrich Hebbel war Dithmarschen dennoch nicht die Welt. In diesem Punkt war er sich einig mit dem Verleger Suhrkamp, der vier Generationen später versuchte, Erna Weißenborn, eine weitere Dithmarscher Schriftstellerin, zu bewegen, die Provinz gegen Berlin einzutauschen.
Klaus Groth Museum

Das Museum, heute Teil der Heider Museumsinsel Lüttenheid, ist das Geburtshaus des Dichters Klaus Groth (1819 - 1899), der als der bedeutendste niederdeutsche Lyriker gilt. Hier verlebte er seine Kindheit und Jugend. Nach 1912 konnte das Haus (heute: Lüttenheid 48) durch private Initiative vor dem Abbruch gerettet und wieder in den Zustand versetzt werden, in dem es sich zu Groths Jugendzeit befand. 1914 wurde das Museum eröffnet.
Die Dauerausstellung vermittelt den Besuchern Einblicke in das Schaffen des Dichters und in die damaligen Lebensverhältnisse. Im Museum werden die umfangreiche Bibliothek des Dichters, eine große Musikaliensammlung, Handschriften und Dokumente aufbewahrt. Das Groth- Haus beherbergt außerdem eine im Aufbau befindliche Niederdeutsche Bibliothek.
Um den literarischen Nachlass von Klaus Groth kümmert sich der Dithmarscher Schriftsteller Heiner Egge. Letzterem ist es gelungen, mit Niebuhrslust das spannende Leben eines weiteren Dithmarschers, des Arabienforschers Carsten Niebuhr, nachzuzeichnen. Auch an die in Berlin gefragte und von Suhrkamp umworbene Heider Schriftstellerin Erna Weißenborn hat Egge mit dem überarbeiteten Roman Der rote Husar erinnert.
Brahmshaus
Nur wenige Schritte entfernt vom Klaus Groth Museum befindet sich das Brahmshaus. Im Haus der Heider Vorfahren des Komponisten finden Besucherinnen und Besucher Johannes Brahms in Bild, Text und Ton. Das Brahmshaus ist eine erste Adresse für alle, die Brahms lieben, seine Zeit erleben und seine Musik unter Gleichgesinnten hören wollen.
Die 1987 gegründete Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein hatte es sich auf Anregung von Justus Frantz zur Aufgabe gemacht, in Heide, der Stadt, aus der die Vorfahren von Johannes Brahms kommen, eine Stätte der Erinnerung an den großen Komponisten zu schaffen. Hier wird beraten über die Verleihung des Brahms-Preises, hier werden die Programme für die Brahms-Wochen und die Postel-Soiréen entworfen und hier begegnen sich Publikum und Künstler im Konzertsaal.
Das Brahmshaus, in unmittelbarer Nähe zum Geburtshaus des Dichters Klaus Groth, wurde mit Hilfe von Förderern und Mitteln des Landes Schleswig-Holstein erworben und durch den Architekten Klaus-Peter Jebens liebevoll restauriert. Hier ist das Zentrum der Brahms-Gesellschaft.
Klaus Groth und Johannes Brahms haben sich nach dem ersten Konzert von Brahms 1856 in Kiel erst Ende April oder Anfang Mai in Düsseldorf kennen gelernt, wohin Clara Schumann zum 34. niederrheinischen Musikfest eingeladen hatte. Aus dieser Begegnung wurde eine vierzigjährige Freundschaft.
Groth fand in Brahms einen angenehmen und verständnisvollen Gesprächs- und Briefpartner. Vor allem aber schätze er den Komponisten wegen der Vertonung vieler seiner Gedichte. Das empfände er, so Groth, wie die Verleihung eines Verdienstordens.
An Johannes Brahms
Du sprichst die Weltensprache, die erst mit ihr vergeht, Du sprichst, was man auf Erden, so weit sie reicht, versteht.
Schon 1859 hatte Brahms plattdeutsche Gedichte Groths vertont, die aber nicht veröffentlicht wurden. 1872 entstanden dann Lieder in hochdeutscher Sprache von Groth.
Der Dichter war von der Musik Brahms begeistert, insbesondere von seinen Liedern, ebenso seine Frau Doris, die sehr musikalisch war und eine Gesangsausbildung erhalten hatte. Für beide bedeutete es eine Freude, täglich miteinander musizieren zu können, wobei die Lieder von Brahms im Mittelpunkt standen. Die Bewunderung für Brahms beschränkte sich bei Klaus Groth nicht nur darauf, sich mit seiner Frau bei der Hausmusik den Werken des Komponisten zu widmen. Auch in seinem privaten Umfeld setzte er sich dafür ein, dass viel gebrahmst wurde. Brahms Lieder sind die Krone der Pyramide Beethoven, Schubert, Schumann, schrieb Doris Groth 1873 an den Komponisten.
Mit über 200 Sololiedern, zahlreichen Chören und mehrstimmigen Liedern ist die Vokalmusik der umfangreichste Bereich unter den Werken von Brahms. Zu einigen seiner schönsten Lieder gehört die Vertonung von Gedichten norddeutscher Dichter, vor allem von Klaus Groth, aber auch von dem Wesselburener Friedrich Hebbel.
Frenssen-Haus

Der Barlter Dichter Gustav Frenssen schaffte es mit seinen Auflagen fast bis zum Nobelpreis für Literatur. Das Komitee entschied sich seinerzeit für Thomas Mann. Im Alter wandte er sich dem Nationalsozialismus und Antisemitismus zu. Auf einer Walze blieb die Stimme des ehemaligen Pastors über seinen Tod hinaus erhalten. Der Tonträger gehört zum Bestand des Frenssen-Hauses in Barlt. Betreut wird es von Pastor Dr. Dietrich Stein, auch er ein engagierter Autor ("Gustav-Frenssen lebt in seiner Zeit" und "Das Leben des Tagelöhners Johann Wiese").
Viel Überraschendes gibt es in der Museumslandschaft Dithmarschen zu entdecken
Die Liste der Literaten, die aus Dithmarschen stammen wie Mühlenhoff (Marne) oder hier Station gemacht haben wie Arno Schmidt ist lang und stets unvollständig. So stammt auch Rudolph Diercks, der Vater der ältesten in den Vereinigten Staaten noch immer erscheinenden populären Comicserie The Katzenjammer Kids, aus Dithmarschen. Sarah Kirsch brachte es in ihrer Liebeserklärung auf den Punkt: Der Geist der Bauernrepublik spukt noch, jeder ist Kaiser auf seinem Trecker, und auch mir mit dem Heusack auf der Schulter huldigt der Milchfahrer, wenn er die Stille durchkreuzt." Der Dithmarscher Kulturpreisträger 2003 und Ehrenbürger der Stadt Marne, Professor Reimer Bull, sprach vom Sizilien des Nordens.

Museumslandschaft Dithmarschen: Kreis Dithmarschen, Dithmarscher Landesmuseum, Bütjestrasse 2-4, 25704 Meldorf,
Telefon: 04832/ 6 00 06- 0, Fax: 04832/ 6 00 06- 17, E-Mail: Landesmuseum@dithmarschen.de
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